Um das Jahr 1900 war unser Schulsystem noch anders aufgebaut. Die Schulen waren nicht in Haupt-/ Realschule und Gymnasium unterteilt, vielmehr wurde zwischen den 2 Konfessionen evangelisch und katholisch unterschieden. Somit gab es in Aulendorf eine evangelische Bekenntnisschule und eine katholische Volksschule. Die Volksschule war bis 1929 in der „Alten Schule“ in der Hauptstraße untergebracht. Die evangelische Bekenntnisschule war in der Zollenreuterstraße, wo sich das heutige Fernmeldeamt befindet. Damals umfasste das Schuljahr 7 Jahre.
 
Bild: In diesem Gebäude „Alte Schule“ wurden bis 1929 die Grund- und Volksschüler unterrichte. Heute befindet sich darin die Schlossapotheke.

 


Bereits 1913 musste die Lehrerwohnung im mittleren Stock in der „Alten Schule“ aufgelöst werden, um 3 weitere Klassenräume zu schaffen. In diesem Jahr wurden erste Überlegungen bzgl. eines Neubaus getätigt. Daraus wird ersichtlich, dass die Schulraumnot schon immer ein zentrales Thema in Aulendorf war.

 

1926 verschlimmerte sich in infolge steigender Schülerzahlen die Schulraumnot noch weiter. Die Einführung des 8. Pflichtschuljahres stand bevor, was zusätzliche Raumnot mit sich brachte. Ebenso wurden Räume für die „Arbeitsschule“ (Handarbeit und Hauswirtschaft für Mädchen) und ebenso für die „Zeichen und Gewerbeschule“ benötigt. Ebenso sollte die evangelische Konfessionsschule als Gemeindeschule übernommen werden.

 

Endlich nach vielen Debatten und langem Hin und Herr wurde 1927 der Neubau eines Schulgebäudes auf dem Gelände „Breite“ beschlossen.
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Bild: Hier ist die „Breite“ erkennbar, auf der die „Neue Schule“ gebaut werden soll.

 


Ein Planungswettbewerb wurde ausgeschrieben und der Plan „Sonnwärts“ des Architekten Hornberger aus Stuttgart-Korntal erhielt den 1. Preis.
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Bild: Plan „Sonnwärts“ des Architekten Hornberg

 


Im Sommer 1928 wurde dann endlich mit den Bau begonnen. Die Kosten betrugen damals 335000 Reichsmark, wobei 75000 Reichsmark als Zuschuss vom Staat kamen. Die Stadt Aulendorf musste damals 256000 Reichsmark aufnehmen.

 

Endlich war es soweit: Die Einweihung fand am 27. Juni 1929 statt. Für die Stadt Aulendorf ein großer Tag, der sehr festlich begangen wurde. Salutschüsse wurden um 5.00 Uhr abgefeuert, ein gemeinsamer Kirchgang stand an. Anschließend fand ein Festzug zum neuen Schulhaus statt. Die Musikkapelle spielte auf. Insbesondere war dies auch ein Freudentag für die Kinder, denn diese erhielten Wurst und Wecken, was damals noch eine große Besonderheit war.
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Bild: 1929 Einweihung der neuen Schule. Rechts im Bild befindet sich ein Rondell, in dessen Mitte ein Brunnen angebracht war. In dem Brunnen befand sich eine Schildkröte aus Muschelkalk, die als Brunnenfigur diente.

 


Mit der Eröffnung der neuen Schule wird auch das 8. Pflichtschuljahr eingeführt. Die Schülerzahlen umfassten 480 Schüler, die auf 10 Klassen aufgeteilt waren. Das neue Schulhaus war mit 8 Klassen belegt, in der alten Schule sind noch 2 Klassen, sowie die Gewerbe- und Hauswirtschaftsschule und die evangelische Bekenntnisschule untergebracht. Rektor Casper, der sich sehr für den Neubau eingesetzt hatte, kann diesen nicht sehr lange genießen. Im September 1929 geht er in den Ruhestand, sein Nachfolger wird Hugo Halt, der bis 1936 Schulleiter war.
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Bild: Hier das neue Schulgebäude aus einer anderen Perspektive. Deutlich erkennbar die Betonmauer, die um das Schulgelände führt.

 


Mit Beginn der Hitler – Diktatur wurde 1936 die „Deutsche Schule“ eingeführt. Die bisherigen Konfessionsschulen wurden aufgelöst und zu einer Gemeinschaftsschule zusammengefasst. 1939 mussten sämtliche Kruzifixe aus den Klassenzimmern entfernt werden. Stattdessen wurden Hitler-Bilder aufgehängt. An den staatlichen Schulen durfte kein Religionsunterricht mehr erteilt werden. Auch das Morgengebet wurde abgeschafft und stattdessen mussten die Schüler einen Wochenspruch mit einer nationalsozialistischen Idee aufsagen.

 

Die „Neue Schule“ wird ab Februar 1945 Kaserne für eine Genesungskompanie der Deutschen Wehrmacht. Nach dem Einmarsch der französischen Besatzungstruppen in Aulendorf am 23. April 1945 wird sie bis Ende 1948 als Französische Kaserne genutzt. Was bedeutete dies für die Schüler? Die Schüler mussten wieder in der „Alten Schule“ untergebracht werden und wurden dann dort in Etappen unterrichtet. Die Lage verschlimmerte sich nochmals, da die Schülerzahlen durch Flüchtlinge und Vertriebene immer weiter anstieg. Zudem waren nirgends Schreibtafeln oder Hefte zu bekommen. Als „Lesebuch“ wurden zunächst die allmählich wieder erscheinenden Zeitungen genutzt.

 

Die Schulraumnot spitzte sich immer weiter zu, so dass die Schule gezwungen war Klassen auszuquartieren. So kam es, dass Klassen in der Küche des Schlosses, in den Gasthäusern Real, Bräustüble, Gambrinus und zum Teil auch im Bühl untergebracht waren. Im April 1948 wird Steiner zum Volksschulrektor ernannt. Ihm obliegt die Aufgabe, die schwierige Schulsituation zu meistern. Ein kleiner Lichtblick zur damaligen Zeit war dann die Währungsreform. Im Juni 1948 ist über Nacht auf einmal alles erhältlich: Schreibhefte, Stifte etc.

 

Am 6. Dezember 1948 räumten die französischen Besatzungsgruppen endlich die „Neue Schule“. Sie hinterlassen in dem Gebäude erhebliche bauliche Schäden.

 

1949 begann man damit das „Neue Schulgebäude“ wieder instand zu setzen. Die Reparaturkosten betrugen 43000 DM und die Wiederbeschaffung des Schulmobiliars 12000 DM. In dieser Zeit wurden auch wieder die evangelischen und katholischen Bekenntnisschulen eingeführt.
 
Bild: Der alte Hauptzugang zur Schule.

 


Die katholische Volksschule umfasste in Aulendorf nun 560 Schüler auf 10 Klassen verteilt. Die evangelische Bekenntnisschule hatte 78 Schüler, die in eine Unterklasse (Klassen 1-4) und eine Oberklasse (Klasse 5-8) aufgeteilt waren.

 

1952 wird Eduard Roth aus Unteressendorf die Leitung der Volksschule übertragen. Nach der Einrichtung eines Progymnasiums am 1.April 1953 wird die Schaffung weiterer Schulräume in Aulendorf immer dringender.

 

Deshalb wurde im November 1955 ein Erweiterungsbau an der „Neuen Schule“ beschlossen. In diesem sollten 6 Klassenzimmer untergebracht werden. Zudem werden Räume für die Gewerbliche Berufsschule und die Hauswirtschaftsschule geschaffen. Das Progymnasium soll in der „Alten Schule“ untergebracht werden. Auch diese sollten entsprechend renoviert werden. Im Oktober 1956 wurde mit den Umbauarbeiten begonnen.1958 konnte eingezogen werden. Die Volksschule umfasste dann 550 Schüler, die Gewerbeschule 173, die Hauswirtschaftsschule 65 und das Progymnasium 165.

 

 
Bild: Die „Neue Schule“ erhält diesen Anbau 1958 mit 6 Klassenzimmern und verschiedenen Nebenräumen. Die Kosten dafür betrugen 450000 DM.

 


1966 wurde das 9. Pflichtschuljahr eingeführt. Die Bekenntnisschulen wurden aufgelöst und in Christliche Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Die neue Bezeichnung der Volksschule Aulendorf war „Grund – und Hauptschule Aulendorf“. Mit 670 Schülern in 17 Klassen wurde es auch trotz des Neubaus wieder sehr eng.

 

Dies verstärkte sich noch vehement 1968 als die selbstständigen Schulen in Blönried, Esbach und Münchenreute aufgelöst und in die Grund- und Hauptschule nach Aulendorf integriert wurden. Somit umfasst diese Schule nun über 700 Schüler, die in 22 Klassen untergebracht waren. Hier war auch wieder großes organisatorisches Talent von Seiten der Schulleitung gefordert. Rektor Baumann ließ beispielsweise in den Musiksaal eine Trennwand einfügen und schaffte damit 2 weitere Klassenräume.

 

Entschärft wurde diese Situation 1972 mit der Eröffnung des Schulzentrums. Dort wurden das Gymnasium, die Realschule, sowie die Hauptschule untergebracht. Somit wurde die „Neue Schule“ unter Leitung von Rektor Herbert Hasenmaile zu einer eigenständigen Grundschule.

 

In den Jahren 1979/1980 wurde die Grundschule renoviert und kindgerechter gestaltet. Beispielsweise sollten die Farben in den Fluren aufgelockert werden. Das bisher triste grau und blau soll durch gelbe, orangene und grüne Farbtöne ersetzt werden. Schalldämmende Maßnahmen wurden getätigt. Sitz- und Spielecken werden errichtet. Auch die Klassenzimmer erhalten Schränke und Regale. Insgesamt sollte alles viel freundlicher, heller und kindgerechter werden.

 

1984 sank die Zahl der Grundschüler rapide auf 240 ab. In den 90 er Jahren stieg sie auf über 500 an. Größter Raummangel herrschte. Wieder war großes organisatorisches Geschick von der Schulleitung gefordert. Alfred Müller, der seit 1985 Schulleiter war, stellte sich dieser Aufgabe. Oft musste auch auf den Fluren unterrichtet werden, wenn die ansässige Sporthalle von Vereinen belegt war. Organisatorisch war hier Einiges von den Lehrern und der Schulleitung zu leisten.
pausenhof 1991 Bild: Der Pausenhof 1991

 

 

 

 

Schuljahr     Schülerzahl     davon Aussiedler 
1986/1987 242 1
1987/1988 267 0
1988/1989 285 10
1989/1990 292 16
1990/1991 360 43
1991/1992 392 74
1992/1993 438 87
1993/1994 441 87
1994/1995 495 103
1995/1996 512 90

 

 

 

Tabelle: Die Entwicklung der Schülerzahlen von 1986 bis 1996

 


Die Schulraunot führte dazu, dass die Hausmeisterwerkstatt und die Lagerräume im Keller zu Klassenzimmern umfunktioniert wurden.
1993 wurden dann noch Container im Schulhof aufgestellt. 1994 stehen 3 Container auf dem Schulgelände. Diese mussten allerdings wieder geräumt werden. Grund: Formaldehyd-Ausdünstung!!!
Verursacher davon waren die neuen Schulmöbel.

 

Nach langem Hin und Her fand 1994 endlich der Spatenstich für einen Erweiterungsbau auf dem Schulgelände der Grundschule statt. Die Bauarbeiten begannen dafür im November 1994. Fertig wurde das Gebäude 1995 und so konnten im Sommer 95 fünf Schulklassen in das neue Gebäude einziehen. Vorerst kehrte Ruhe in der Grundschule ein und man konnte sich wieder auf den Unterricht konzentrieren.
erweiterung 1995
Bild: Der Erweiterungsbau nimmt Formen an.

 


Alfred Müller konnte den Erweiterungsbau nicht mehr sehr lange genießen. 1996 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Herbert Reck, der nun die Geschicke der Grundschule Aulendorf in die Hand nahm.
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Bild: In diesen Erweiterungsbau konnten 1995/1996 fünf Klassen einziehen.

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Herr Reck durfte sich nun dem seit 1990 laufende Drama „Grundschulsporthalle“ annehmen. Durch die hohen Schülerzahlen konnte der Sportunterricht nicht so stattfinden, wie das gerne gewünscht wäre. Geräte, Bälle und viele andere Sportgeräte konnten in der kleinen Stadthalle nicht untergebracht werden. Oft musste der Sportunterricht sogar ausfallen, da Vereine oder andere Veranstalter die Stadthalle benötigten. Nach vielem Hin und Her, immerwährender Diskussionen und viel Schweiß wurde dann im Jahr 2003 mit dem Neubau der Sporthalle begonnen.

2009 kam dann die Nachricht, dass der alte Teil der Grundschule einsturzgefährdet sei. Deshalb wurden im Sommer 2009 Container auf dem Pausenhof errichtet, in denen ein Großteil der Schüler auch heute noch untergebracht ist. Somit wurde auch der Pausenbereich für die Schüler erheblich beschränkt. Seitdem kämpft die Schule für einen Neubau, der hoffentlich in den nächsten Monaten in Angriff genommen wird.

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Nach vielen Diskussionen, runden Tischen und Ausschreibungen wurde im Juli 2012 endlich der 1. Spatenstich zum Neubau durchgeführt. Ein großes Aufatmen war nicht nur von Seiten der Schulleitung zu vernehmen, sondern auch von den Eltern, die sich mit großem Engagement dafür eingesetzt hatten. Die folgenden Monate bis zur Fertigstellung des Gebäudes verlangte von Schülern und Lehrern große Disziplin, da in vielen Bereichen Einschränkungen hingenommen werden mussten. Auch die Eltern brachten sich mit ein, indem sie viele Arbeitsstunden in den Neubau investierten und an vielen Stellen motiviert mitarbeiteten. Doch das nahmen alle Beteiligten gerne auf sich. Während der Bauphase musste die Schulleitung immer wieder kleine Hindernisse überwinden, was sie mit Bravour bewältigte.

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Schließlich konnte für das Schuljahr 2013/2014 das neue Schulgebäude bezogen werden.

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Nach über 21 Jahren als Schulleiter an der Grundschule Aulendorf ist Herr Rektor Herbert Reck zum Schuljahresende 2016 / 2017 in den Ruhestand verabschiedet worden.

Sein Nachfolger ist seit dem 1. August 2017 Herr Oliver Trzeciok, der zuvor als Rektor an der Grundschule Christazhofen-Ratzenried tätig war.